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WIE VIELE KOMPONENTEN BRAUCHT MEINE ZWISCHFRUCHTMISCHUNG?

Hilft viel immer viel? Oder ist manchmal weniger mehr? Mit dieser Frage beschäftigt man sich besonders bei der Auswahl der Zwischenfruchtmischung.


In diesem Artikel zeigen wir die Bedeutung von artenreichen Zwischenfruchtmischungen anhand der allgemeinen Ziele des Zwischenfruchtanbaus. In der Wissenschaft werden artenreiche Mischungen gegenüber der Reinsaat im Zwischenfruchtanbau bevorzugt. Was bei der Auswahl und Menge der Komponenten beachtet werden sollte, erfährst du in diesem Artikel.


DIE ALLGEMEINEN ZIELE DES ZWISCHENFRUCHTANBAUS

  • Bodenfruchtbarkeit langfristig erhöhen und Humus aufbauen

  • Nährstoffe mobilisieren und der Nachfrucht zur Verfügung stellen

  • Bodenstruktur verbessern (Tragfähigkeit erhöhen)

  • Wasserhaltevermögen langfristig erhöhen

ANBAUSICHERHEIT

Artenreiche Pflanzenmischungen können ungünstige Standortbedingungen und unvorhersehbare Klimaereignissen durch ihre Diversität ausgleichen. Je höher die Artenvielfalt innerhalb der Mischung ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich Arten auch bei verändernden Umweltbedingungen anpassen können. Dies bestätigte auch Dr. Norman Gentsch vom Institut für Bodenkunde der Leibniz Universität in Hannover: “In [bio]diversen Mischungen wirken bestimmte Arten oder Sorten, die an bestimmte Stressbedingungen wie Trockenheit oder bestimmte Krankheitserreger angepasst sind, als Puffer und reduzieren so die Verluste unter den weniger gut angepassten Pflanzen. Dies sorgt für Ertragsstabilität. Je vielfältiger die Mischung ist, desto stressresistenter ist das Anbausystem”.


UNTERSCHIEDLICHE EIGNUNG VON UNTERSCHIEDLICHEN PFLANZEN

Bei Trockenheit sind Flachwurzler, wie Phacelia oder Rauhafer gut geeignet, da sie die geringe Niederschlagsmenge effizient aus den oberen Bodenschichten nutzen können und es somit zu keinem Versickerungsverlust kommt. Pfahlwurzler hingegen, wie Ölrettich oder Öllein, sind bei hohen Niederschlagsmengen besonders geeignet, da sie Feuchtigkeit aus den tieferen Bodenschichten aufnehmen.


Eine artenreiche Mischung ist generell förderlich für Pflanzen untereinander. Verschiedene Pflanzen können sich in ihrem Wachstum bedingen und unterstützen. Schwächere Pflanzen können durch andere gestützt und in ihrem Wachstum gefördert werden.


DIE KRAFT DER VIELFALT

Leguminosen wachsen im Gemenge deutlich besser als in Reinsaat. Sie setzten sich besonders aufgrund der höheren Stickstofffixierung und guten Bodenstruktur durch.


Doch eine zu hohe Vielfalt kann auch ungünstig sein. Bei Mischungen mit mehr als 10 Komponenten werden Anteile mit einem Samenanteil von kleiner gleich 1% oftmals unterdrückt und sind nur selten im Feldaufwuchs wiederzufinden.



BODENBEDECKUNG

Artenreiche Mischungen führen nicht unbedingt auch zu einem flächendeckenden Bestandsschluss. Tatsächlich steigt eher das Risiko zur Bestandslücke. Denn eine unüberlegte Pflanzenauswahl oder für den Standort unpassende Pflanzenart kann zu einem geringen Auflaufen der Pflanzen oder einem erhöhten Konkurrenzdruck führen. Ein optimaler Bestand wird durch gute Planung und an den jeweiligen Standort angepasste Pflanzenarten erreicht. Dazu zählt unter anderem eine wohl geplante Aussaatstärke, frohwüchsige und konkurrenzstarke Arten (Kreuzblütler) und Pflanzen mit ähnlichen Resistenzen.


Ein vollständiger Bestandsschluss soll erreicht werden, um Bodenerosionen durch Regenfälle oder Wind zu vermeiden, den Boden vor Überhitzung durch Sonneneinstrahlung zu schützen, Unkrautdruck zu reduzieren und Ausfallgetreide/-pflanzen zu unterdrücken.

Zusätzlich führt eine flächendeckende Bodenbedeckung auch zu einer erhöhten Photosyntheseleistung durch die Pflanzen. Frohwüchsige Arten entwickeln schnell großflächige Blätter und schützen somit Boden und Klima.



DURCHWURZELUNG

Die oberirdische und unterirdische Wüchsigkeit bedingen sich direkt. Pflanzen mit einer schnellen und hohen Entwicklung haben meist auch einen starken Wurzelapparat - große, frohwüchsige Pflanzen sind auch sehr gut für die Bodenstruktur. Kleinwüchsige Pflanzen eignen sich wiederum besser für trockene Standorte. Besonders bei der Zwischenfruchtmischung sollte auf ein Vorhandensein von vielfältigen Wurzeltypen geachtet werden, damit der Wurzelraum möglichst optimal ausgenutzt werden kann.

Es ist darauf zu achten Pflanzenarten auszuwählen, die verschiedene Wurzeltypen aufweisen, mehrere gleiche Wurzeltypen erschließen nur den gleichen Wurzelraum und nicht den insgesamt verfügbaren.


NÄHRSTOFFVERFÜGBARKEIT

Je mehr Wurzelmasse vorhanden ist und je tiefer diese den Boden durchdringen, desto mehr Nährstoffe können gebunden und pflanzenverfügbar gemacht werden. Artenreiche Pflanzmischungen liefern eine hohe Menge an wertvollen Nährstoffen.

Bei zunehmender Artenvielfalt steigt die mikrobische Aktivität im Boden, je vielfältiger das Wurzelsystem im Boden ist, desto höher ist die unterirdische Aktivität von Lebewesen.

Die Pflanzen gehen Symbiosen mit den im Boden vorhandenen Mikroorganismen ein. Artenspezifische Wurzelausscheidungen (Exsudate) werden an die Rhizosphäre abgegeben, dadurch kommt es zum Nährstoffaufschluss und zur Pathogenabwehr.


BODENGESUNDHEIT

Der Zwischenfruchtanbau dient vor allem auch der Regenerierung des Bodens. Zur Reduzierung von Krankheiten in den Pflanzen oder im Boden sollte darauf geachtet werden, dass alle Mischungskomponente dieselbe Resistenzwirkung vorweisen. Gleichzeitig kommt es zu einem aktiven Abbau von organischer Masse (Lebendmasse), welche die Humusbildung zusätzlich fördert.



ZUSAMMENFASSUNG

Artenreiche Mischungen erfreuen nicht nur das Auge, sondern weisen auch eine Vielzahl von bodenfördernden Vorteilen auf. Trotzdem ist die Masse nicht das Entscheidende. Bei der Auswahl der Zwischenfruchtmischung sollte immer das jeweilige Ziel für den Boden im Mittelpunkt stehen - zusätzlich müssen die Standortbedingungen berücksichtigt werden.

Am Ende ist nicht die Anzahl der Zwischenfruchtkomponenten das entscheidende, sondern die Wertigkeit der jeweiligen Einzelkomponenten. Eine Zwischenfruchtmischung mit weniger als 10 Komponenten kann genauso gut sein wie eine Mischung mit mehr als 10, je nachdem welche Ziele beabsichtigt wurden, wie die individuelle Fruchtfolge gestaltet ist und welche Standortbedingungen vorliegen.